Jagdschein in Bayern: Ablauf, Prüfung und Kosten
Von der Ausbildung bis zum ausgestellten Jagdschein — mit den Änderungen 2026 und 2027
Was auf dich zukommt
Der Jagdschein ist in Bayern zwei Dinge, die oft in einen Topf geworfen werden: erst die Jägerprüfung, eine staatliche Prüfung, und danach der Jagdschein selbst, den dir deine Kreisverwaltungsbehörde ausstellt. Das eine ist eine Leistung, das andere eine Erlaubnis — und zwischen beiden liegt vor allem Zeit.
Zur Prüfung darfst du antreten, sobald du fünfzehn bist; bist du noch minderjährig, braucht die Anmeldung die schriftliche Einverständniserklärung deines gesetzlichen Vertreters. Den Jagdschein bekommst du allerdings erst mit achtzehn. Wer früher anfangen will, macht die Prüfung und wartet dann — oder nutzt den Jugendjagdschein, den es ab sechzehn gibt.
Dazwischen steht eine Ausbildung von mindestens 120 Stunden, eine Prüfung aus drei Teilen, die du alle bestehen musst, und ein Betrag, der sich mit heutigen Kurspreisen meist zwischen 2.700 und 3.900 Euro einpendelt. Rechne vom ersten Kurstag bis zum Dokument in der Hand mit einigen Monaten, wenn du berufsbegleitend lernst, oder mit gut zwei Wochen Vollzeit plus Prüfungstermin, wenn du einen Kompaktkurs wählst.
Zwei Dinge haben sich gerade bewegt und bewegen sich weiter: Seit April 2026 gilt ein novelliertes bayerisches Jagdgesetz, und zum 1. Januar 2027 wandert die Fallenjagd in die Prüfung. Was davon beschlossen ist und was nicht, steht weiter unten — mit Fundstelle, weil dazu im Netz einiges durcheinandergeht.
Die Ausbildung: 120 Stunden und drei Wege dorthin
Die Prüfungsordnung schreibt eine jagdliche Ausbildung von mindestens 120 Stunden vor, von denen mindestens 60 auf den praktischen Teil entfallen müssen. Das ist die Untergrenze, kein Richtwert — und dass die Hälfte davon Praxis sein muss, ist der eigentliche Hinweis: Der Jagdschein ist keine Theorieprüfung mit angehängtem Schießtermin.
Am Markt haben sich drei Formen etabliert, und die Entscheidung dazwischen fällt weniger über den Preis als über deinen Kalender. Gruppenkurse ziehen sich über drei bis sechs Monate und laufen abends und an Wochenenden — der Weg für alle, die nebenher arbeiten und den Stoff lieber setzen lassen. Kompakt- oder Schnellkurse pressen alles in rund vierzehn Tage; das verlangt zwei zusammenhängende Wochen Urlaub und die Bereitschaft, in dieser Zeit nichts anderes zu tun. Onlinekurse verlegen die Theorie über etwa drei Monate nach Hause und bündeln die Praxis in sechs bis acht Präsenztagen.
Keine dieser Formen ist die seriösere. Was du vergleichen solltest, ist nicht die Kursdauer, sondern wie viel Schießzeit und wie viel echte Reviererfahrung darin stecken — denn das ist der Teil, den du nicht nachlesen kannst.
Die Prüfung: drei Teile, drei ganz verschiedene Hürden
Die bayerische Jägerprüfung ist eine staatliche Prüfung. Abgenommen wird sie seit dem 5. August 2024 zentral vom Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht, das die Rolle der Jäger- und Falknerprüfungsbehörde für ganz Bayern übernommen hat.
Sie besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil — und die Reihenfolge ist nicht organisatorisch, sondern verbindlich: Die Teile sind in dieser Reihenfolge abzulegen und zu bestehen. Wer schriftlich scheitert, kommt an diesem Termin gar nicht erst zum mündlichen Teil.
Geprüft wird über sechs Sachgebiete, die dir im Kurs wie in der Prüfung wieder begegnen:
- Jagdwaffen, Jagd- und Fanggeräte
- Biologie der Wildarten
- Rechtliche Vorschriften
- Wildhege, Jagdbetrieb und jagdliche Praxis
- Jagdhundewesen
- Naturschutz, Landbau, Forstwesen, Wild- und Jagdschadensverhütung
Schriftlich: 100 Fragen in 100 Minuten
Der schriftliche Teil besteht aus 100 Ankreuzfragen, für die du 100 Minuten hast — also im Schnitt eine Minute pro Frage. Die Verteilung ist festgelegt: je 16 Fragen aus den ersten fünf Sachgebieten und 20 aus dem sechsten, das damit das schwerste Gewicht trägt.
Bestanden hat, wer nicht mehr als ein Viertel der Fragen falsch, unvollständig oder gar nicht beantwortet. Fünfundzwanzig Fehler klingen nach viel Spielraum, und genau darin liegt die Falle: Es sind fünfundzwanzig über alle sechs Gebiete hinweg. Wer ein Sachgebiet vernachlässigt hat, verbraucht sein Kontingent in einem einzigen Block, und der sechsundzwanzigste Fehler kostet den kompletten Termin.
Die Fragen kommen dabei nicht aus dem Nichts. Es gibt einen amtlichen Fragenkatalog, herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie als oberster Jagdbehörde, und die Prüfungsfragen stammen daraus. Wer ihn systematisch durcharbeitet, statt ihn einmal zu überfliegen, hat diesen Teil im Griff — zwanzig Fragen kannst du hier direkt ausprobieren, jeweils mit der Erklärung, warum die Antwort richtig ist.
Mündlich: wo pauken nicht mehr reicht
Im mündlichen Teil sitzen höchstens drei Bewerber gemeinsam vor der Kommission. Pro Sachgebiet und Person sind mindestens zehn Minuten vorgesehen, fünfzehn sollen es nicht werden — über sechs Gebiete summiert sich das trotzdem.
Bewertet wird in drei Stufen: ausreichend, mangelhaft, ungenügend. Durchgefallen ist, wer in einem Sachgebiet ein „ungenügend" kassiert oder in zwei ein „mangelhaft". Das ist die schärfere Hürde als der schriftliche Teil, denn hier lässt sich Unwissen in einem Gebiet nicht mehr durch Sicherheit in einem anderen ausgleichen. Zwei schwache Auftritte genügen.
Praktisch: Waffenhandhabung und vier Schuss
Der praktische Teil hat zwei Disziplinen — die Handhabung der Waffen und das Büchsenschießen.
Beim Büchsenschießen gibst du vier Schuss auf 100 Meter ab, und zwar auf die Rehbockscheibe, die DJV-Scheibe Nr. 1: die Silhouette eines Rehbocks mit eingezeichneten Wertungsringen. Zwei Schuss davon sitzend aufgelegt, das heißt im Sitzen mit der Waffe auf einer Auflage abgestützt, die beiden anderen nach deiner Wahl stehend angestrichen — im Stehen an einem festen Gegenstand abgestützt — oder stehend freihändig, also ganz ohne Hilfe. Einen Probeschuss davor darfst du setzen.
Gewertet wird eng: Es zählen nur Treffer im achten bis zehnten Ring, also der innere Bereich der Scheibe, und wer davon weniger als drei erreicht, hat die Anforderung nicht erfüllt. Von vier Schuss dürfen also höchstens einer danebengehen. Das ist der Teil, den man sich nicht anlesen kann, und der Grund, warum die Prüfungsordnung auf 60 Praxisstunden besteht.
Wenn es beim ersten Mal nicht reicht
Der schriftliche Teil ist der Anker: Hast du ihn bestanden, hast du zwei Jahre Zeit, den mündlichen und den praktischen Teil nachzuholen — jeden davon darfst du zweimal wiederholen, im Rahmen der landeseinheitlich festgesetzten Termine. Wer es innerhalb dieser Frist nicht schafft, hat die Prüfung nicht bestanden und beginnt komplett von vorn.
Wie oft das passiert, lässt sich seriös nicht sagen. Die Prüfungsbehörde veröffentlicht keine Bestehens- oder Durchfallquoten, und eine andere amtliche Statistik dazu haben wir nicht gefunden. Kursanbieter werben zwar gern mit eigenen Zahlen — die sind Marketing und keine Erhebung, und wir geben sie hier nicht wieder. Was sich stattdessen belastbar sagen lässt, steht in der Verordnung selbst, und das sind die Hürden oben.
Planen solltest du außerdem den Rhythmus mit: Die Prüfung findet viermal im Jahr statt, an 13 Standorten über alle Regierungsbezirke verteilt, von denen du dir bei der Anmeldung zwei wünschen darfst. Zwei Details bringen Zeitpläne regelmäßig durcheinander — der Anmeldeschluss liegt vier Wochen vor dem schriftlichen Teil, und ein Standort kommt überhaupt nur zustande, wenn sich dort mindestens 24 Bewerber gemeldet haben. Dein Wunschort ist also kein Anspruch.
Was es kostet
Ein Teil der Kosten ist amtlich festgelegt und damit für alle gleich:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Prüfungsgebühr Jägerprüfung | 280 € |
| Wiederholung mündlicher Teil | 150 € |
| Wiederholung praktischer Teil | 70 € |
| Einjahresjagdschein (inkl. Jagdabgabe) | 60 € |
| Dreijahresjagdschein (inkl. Jagdabgabe) | 150 € |
| Jugendjagdschein | 37,50 € |
Der große und variable Posten ist die Jagdschule, und dafür gibt es keine amtlichen Preise. Eine bayerische Jagdschule weist für 2026 Kurse ab 2.095 Euro aus und kommt mit Prüfungsgebühr und Jagdscheinantrag zusammen auf rund 2.435 Euro. Über die Kursformen hinweg werden Schnellkurse zwischen 2.400 und 2.999 Euro genannt, Onlinekurse zwischen 2.500 und 2.900 Euro und Gruppenkurse um die 3.000 Euro; ein Münchner Anbieter liegt bei etwa 3.290 Euro.
Wichtiger als der Preis ist beim Vergleich der Leistungsumfang. Bei vielen Anbietern sind Waffen und Munition für die Schießausbildung bereits im Kurspreis enthalten — dann taucht dieser Posten in deiner Rechnung gar nicht mehr auf. Wo er nicht enthalten ist, kommt er obendrauf. Das ist die häufigste Doppelzählung in selbst gebauten Kostenlisten: Wer Munition und Standgebühren separat einplant, obwohl der Kurs sie deckt, rechnet sich den Jagdschein teurer, als er ist.
Rechnet man die belegten Beträge zusammen, ergibt sich ein günstiges Szenario bei rund 2.740 Euro — ein Schnellkurs am unteren Rand für 2.400 Euro, 280 Euro Prüfungsgebühr, 60 Euro für den Einjahresjagdschein. Der typische Fall liegt eher bei 3.330 Euro, mit einem Kurs um 2.900 Euro und dem Dreijahresjagdschein für 150 Euro. Und wer einen der teureren Kurse für 3.290 Euro wählt und einmal die mündliche Prüfung wiederholen muss, landet bei etwa 3.870 Euro.
Nicht enthalten sind darin die Jagdhaftpflichtversicherung, deren Beitrag kein Amt festlegt, sowie Anreise und Unterkunft während des Kurses. Bewusst nicht eingerechnet sind außerdem eigene Waffe, Waffenschrank, Optik und Kleidung — das sind Anschaffungen nach dem Jagdschein, nicht Kosten auf dem Weg dorthin.
Was sich 2026 geändert hat und 2027 ändert
Das Gesetz zur Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften vom 26. März 2026 ist verkündet (GVBl. 2026 S. 113) und am 1. April 2026 in Kraft getreten. Für den Ablauf der Prüfung ändert es zunächst wenig; ihr Aufbau bleibt, wie er oben beschrieben ist. Die organisatorisch spürbarste Neuerung liegt ohnehin schon länger zurück — die Zentralisierung beim Landesamt für Maß und Gewicht im August 2024.
Interessanter ist, was 2027 kommt, und hier lohnt es sich, genau hinzusehen, weil im Netz Beschlossenes und Geplantes gern vermischt wird.
Beschlossen und verkündet ist die Integration der Fallenjagd in die Prüfung. Dasselbe Gesetz vom 26. März 2026 bestimmt in seiner Inkrafttretens-Vorschrift, dass abweichend vom 1. April 2026 die §§ 2, 5 und 6 erst am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Dazu gehört die Erweiterung des ersten Sachgebiets der Prüfungsordnung um „Bauart und Funktionsweise der für den Lebend- und Totfang zulässigen Fallen sowie die gesetzlichen und praktischen Grundlagen der Fallenjagd". Neu ins Jagdgesetz kommt außerdem Art. 29a mit dem Satz: „Die Fallenjagd darf nur ausüben, wer die hierfür erforderlichen Kenntnisse nachweisen kann."
Praktisch heißt das: Heute musst du bei der Anmeldung zur Prüfung entweder schriftlich erklären, dass du auf die Fallenjagd verzichtest, oder die Teilnahme an einem Fallenjagd-Lehrgang nachweisen. Ab 2027 deckt die Prüfung dieses Wissen selbst ab — ein Formular weniger, dafür ein Themengebiet mehr im Lernstoff. Wer seine Prüfung über den Jahreswechsel plant, sollte das auf dem Schirm haben.
Weitere Änderungen für 2027 sind uns aus amtlichen Quellen nicht bekannt. Wo wir nichts Verkündetes gefunden haben, steht hier nichts.
Wenn du jetzt anfängst
- Kursform wählen und Jagdschule buchen — die Ausbildung muss vor der Prüfung liegen.
- Prüfungstermin aussuchen und vom Anmeldeschluss vier Wochen rückwärts rechnen.
- Anmelden, Prüfungsgebühr einzahlen, zwei Wunsch-Standorte angeben.
- Schriftlich, mündlich, praktisch — in dieser Reihenfolge.
- Mit dem Original des Prüfungszeugnisses, einem Lichtbild und dem Nachweis deiner Jagdhaftpflichtversicherung zur Kreisverwaltungsbehörde. Die Versicherung ist Pflicht und muss mindestens 500.000 Euro für Personen- und 50.000 Euro für Sachschäden abdecken.
Den Jagdschein bekommst du dann als Einjahres- oder als Dreijahresjagdschein — versagt wird er nur, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dir die erforderliche Zuverlässigkeit oder körperliche Eignung fehlt.
Zwischen dem ersten Kurstag und der Prüfung liegen bei einem Gruppenkurs drei bis sechs Monate — und was im Januar saß, muss im April noch sitzen, verteilt über sechs Sachgebiete, von denen keins ausfallen darf. Genau da setzt pirschio an: Die App merkt sich jeden einzelnen Fakt und legt ihn dir wieder vor, wenn du ihn zu vergessen drohst, auf Basis des amtlichen Katalogs für Bayern. Schießausbildung und Reviererfahrung holst du dir weiterhin in der Jagdschule — für die Theorie kannst du zwanzig Fragen für Bayern sofort ausprobieren, kostenlos und ohne Anmeldung.
Weitere Beiträge zu Bayern sammeln sich in der Übersicht Jagdschein und Jägerprüfung in Bayern.
Verbindlich ist immer der Wortlaut des bayerischen Jagdrechts und die Auskunft deiner zuständigen Behörde.
Rechtsgrundlagen
- Verordnung über die Jäger- und Falknerprüfung (Jäger- und Falknerprüfungsordnung – JFPO) vom 22. Januar 2007 — Bayerische Staatskanzlei (BAYERN.RECHT), 22. Januar 2007 · abgerufen 05. September 2026
- Gesetz zur Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften vom 26. März 2026, GVBl. 2026 S. 113 — Verkündungsplattform Bayern (Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt), 26. März 2026 · abgerufen 05. September 2026
- Art. 28 BayJG – Jägerprüfung, Falknerprüfung, Jagdschein — Bayerische Staatskanzlei (BAYERN.RECHT), 01. April 2026 · abgerufen 05. September 2026
- Jagdschein und Jägerprüfung in Bayern — Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (Oberste Jagdbehörde) · abgerufen 05. September 2026
- Jägerprüfung — Bayerisches Landesamt für Maß und Gewicht (Jäger- und Falknerprüfungsbehörde) · abgerufen 05. September 2026
- Jagdschein und Falknerjagdschein; Beantragung der Erteilung und Verlängerung — BayernPortal (amtliche Leistungsbeschreibung) · abgerufen 05. September 2026
Stand: 05. September 2026 · zuletzt geprüft: 05. September 2026 · ohne Gewähr.